Dienstag, 30. April 2013

Medienkompetenz an unseren Schulen


Die Antragsstellung für Ganztagsangebote (in Sachsen) wird vereinfacht. Ob gut oder schlecht für unsere Schulen, gibt es doch die Möglichkeit Medienprojekte zu integrieren. Doch reicht das? Kann eine Schule dies allein stemmen?

Bei externen Angeboten geht es vor allem um die Vermittlung dringend benötigter Kompetenzen in Sachen digitaler Medien, mit denen unsere Kinder und Jugendlichen jeden Tag konfrontiert werden. Sie leben bereits in dieser digitalen, von Medien bestimmten Welt. Werden diese nur konsumiert oder gibt es eine gesunde Reflexion der dargebotenen Informationen?

Zur Bedeutung der Medienkompetenz an unseren Schulen beantwortete mir Herr Andreas Golinski, Medienpädagoge und freier Journalist, einige Fragen.

1.   Herr Golinski, Sie arbeiten seit vielen Jahren mit Kindern und Jugendlichen als Medienpädagoge. Wie schätzen Sie bestehende Medienkompetenz in Schulen ein?


Die Medienkompetenzvermittlung an den Schulen ist sehr unterschiedliche ausgeprägt, obwohl sie fester Bestandteil der Lehrpläne ist. Da es kein reines Fach Medienkunde gibt, ist es oft dem Engagement der Pädagoginnen und Pädagogen vor Ort überlassen, wie stark sie die Medienkompetenzvermittlung in ihren Unterricht einbauen. Hinzu kommt, dass die technische Ausstattung der Schulen eher bescheiden ist. Bereits in der Lehrerausbildung fristet die Medienpädagogik eher ein kümmerliches Dasein. Von Seiten der Politik wird hierbei gern auf die Vielzahl von medienpädagogischen Vereinen und Einrichtungen verwiesen. Obwohl diese zweifellos eine engagierte und gute Arbeit leisten, können sie den Bedarf an medienpädagogischer Ausbildung an den Schulen nur teilweise decken. Erfreulicherweise entstehen trotzdem immer wieder tolle Projekte, die zeigen, wie groß die Begeisterung von Kindern, Jugendlichen und Lehrern im Umgang mit Medien sein kann. Ich wünschte mir, dass es dazu gleiche Möglichkeiten für alle Schulen gäbe.

2.    Was ist heute in puncto Medienkompetenz wichtig zu vermitteln?


Da sich das Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen in den vergangenen Jahren grundlegend verändert hat, reagiert natürlich auch die Medienpädagogik auf diese Entwicklung. An erster Stelle steht dabei das Internet, nicht zuletzt, da auch die klassischen Medien, wie Fernsehen und Radio mit ihren Onlineangeboten dort zu finden sind. Verstärkt wird dieser Trend durch die Möglichkeiten der mobilen Internetnutzung, zum Beispiel mit Smartphones. Diese sind mittlerweile auch in den niedrigeren Preisklassen zu finden, sodass auch Kinder und Jugendliche sich diese leisten können. Medienkompetenzvermittlung steht hier vor der Aufgabe, die Jugendlichen nicht nur fit im Umgang mit den neuen Medien zu machen, sondern für eventuelle Gefahren und Probleme zu sensibilisieren. Außerdem ist es wichtig, sich über neue Entwicklungen rechtzeitig zu informieren, um der Erfahrungswelt der jungen Zielgruppe nicht hinterherzuhinken. Grundsätzlich sollen Kinder und Jugendliche nicht nur kompetente Nutzer der Medien werden, sondern vor allem auch kritische Nutzer, die in der Lage sind, Medienangebote auch zu hinterfragen. Hierin liegt meiner Meinung nach einer der Hauptaufgaben der Medienpädagogik.

3.   Medienpädagogen sind der Überzeugung, dass vermittelte Medienkompetenz das Leben der SchülerInnen positiv in Lernbereitschaft und Selbstbewusstsein beeinflusst. Wie sehen Sie das?


Mit der Vermittlung von Medienkompetenz werden auch andere Kompetenzen gefördert, etwa die Partizipationskompetenz oder die soziale Kompetenz der TeilnehmerInnen. So lernen sie beispielsweise innerhalb eines Videoprojektes im Team zu arbeiten, aufeinander Rücksicht zu nehmen und die besonderen Talente jedes/er Einzelnen zu erkennen und für das Gesamtprojekt zu nutzen. So kann es sein, dass z.B. ein sonst eher ruhiger Schüler als Moderator vor der Kamera alle anderen überrascht oder eine Teilnehmerin ihre technischen Talente bei der Kamerabedienung entdeckt. Außerdem stelle ich immer wieder fest, dass bei solchen Projekten neben der Medienkompetenz auch die fachliche Kompetenz gestärkt wird. So behalten Jugendliche und Kinder beispielsweise den Lesestoff eines Buches viel länger, wenn dieser in Form eines Hörspieles gemeinsam aufgenommen wurde.

4.   Warum halten Sie Medienkompetenz als unabdingbar für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen?


Jede Epoche in der Menschheitsgeschichte hat ihre ganz eigenen Kommunikationsformen hervorgebracht, denken Sie beispielsweise an die Erfindung des Buchdruckes oder später des Morseapparates. Heute ist das vorwiegend das Internet oder auch die Mobiltelefonie. Wenn ich Kinder und Jugendliche befähigen will, später einmal möglichst selbstständig ihr Leben gestalten zu können, komme ich um eine fundierte Medienkompetenzvermittlung nicht herum. Das ist schon deshalb wichtig, um allen Heranwachsenden die gleiche Chance zu geben, mit modernen Kommunikationsmitteln umgehen zu können. Außerdem ist dies eine Grundvoraussetzung, um einmal auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein.

Andreas Golinski, hat die Medien von der Pike auf studiert. Er arbeitete für den MDR als auch als freier Mitarbeit der Deutsche Welle TV im US-Außenstudio Washington-DC. Heute ist er als freier Journalist und Medienpädagoge – mit seiner Firma go4media – auch für Schulen tätig.

In seinem privaten Blog http://www.surf-scout.net schreibt Andreas Golinski über Fragen oder die neuesten Entwicklungen im WWW.